Gehen, greifen, sich bücken, drehen – jede Handlung des Alltags wird leichter und kraftvoller, wenn sich Becken, Wirbelsäule und Brustkorb daran beteiligen! Eine zentrale Rolle spielen dabei die diagonalen Verbindungen, welche wir tagtäglich unbewusst gebrauchen. Eine gute Organisation des Rumpfes ist von zentraler Bedeutung für die Freiheit von Armen, Beinen, Schultergürtel, Nacken und Kopf. In dieser Lektionen-Reihe ordnest du diese Verbindungen wieder neu, damit dein Handeln wieder effizienter wird.
Organisiere dein Stehen und Gehen, indem du deine beiden Diagonalen klärst und finde zu einem beweglichen und geschmeidigen Rumpf zurück.
(Quelle: Russell Delman)
Anhand der diagonalen Beziehungen in unserem Körper klären wir hier, wie unsere Körpermitte die Peripherie organisieren kann. Liegend auf dem Rücken in einer X-Form mit langen Armen und langen Beinen klärst du als erstes deine diagonalen Linien von der Hand zum diagonalen Fuss- eine Funktion, welche du im Alltag viele Male unbewusst gebrauchst. Je klarer diese Verbindungen in dir werden, desto mehr kannst du auch spüren, wie sich deine Mitte und der Kreuzpunkt der beiden Diagonalen in der Bewegung verhalten, damit du zum Schluss aus deiner Mitte heraus rollen, stehen und gehen kannst.
(Quelle: Variation aus Yaron/Segal 1#14)
Für diese Lektion brauchst du eine Pilates-Rolle (harte Schaumstoff-Rolle). Lege die Rolle auf deine Matte, setze sich auf das unterste Ende drauf und senke deinen Rücken und Kopf auf der Rolle ab. Deine Mittelachse ist nun vom Becken bis zum Kopf von der Rolle gestützt, deine Füsse stehen fest auf dem Boden, die Arme liegen neben der Rolle auf dem Boden. In dieser instabilen Position wird nun der Teil vom Nervensystem, der für Gleichgewicht und Halt zuständig ist aktiviert. In dem du dich nun aus dieser Position zu bewegen beginnst, sucht dein System immer wieder die Stabilität und organisiert dein Skelett für diese Herausforderung neu. Wenn du zum Schluss von der Rolle herunterkommst, fühlst du dich vom Boden komplett getragen und gestützt. Eine tolle Lektion zum Runterkommen.
(Quelle: R. Häfliger B.)
Hier kommt die Fortsetzung von der Lektion oberhalb. Spiele erst mit dieser Lektion, wenn du dich im 1. Teil gut auskennst. Du bewegst dich weiter auf der Rolle und kreierst Positionen, in denen du noch weniger Halt vom Boden bekommst. Organisiere so deine Diagonalen neu und staune, wie sich danach deine Aufrichtung im Stehen komplett gestützt anfühlt.
Wenn du Teil 1 und Teil 2 gemacht hast, kannst du mit diesem ganzen Material auf der harten Rolle frei improvisieren, ganz ohne Anleitung. Viel Spass.
(Quelle:
Regula Häfliger Brägger
Regula Häfliger Brägger ist diplomierte Feldenkrais-Lehrerin mit mehreren Aus- und Weiterbildungen in der Feldenkrais-Methode. Ihre Arbeit basiert auf einer fundierten Ausbildung in Awareness Through Movement® und Functional Integration®. Ergänzend ist sie als Sängerin und Stimmbildnerin tätig und verbindet in ihrer Praxis Bewegung, Wahrnehmung und Stimm
)
Die Vorstellung vom dynamischen Raum im Unterbauch führen wir weiter und setzen diese Idee des Motors im Becken auch für Bewegungen im Raum fort. Liegend auf dem Rücken etablierst du zuerst die Idee von 2 Zylindern im Rumpf- zwei stabilen Drehachsen über den beiden Sitzhöckern und Beinen. Du lernst, aus deiner Mitte heraus, über diese Achsen zu drehen, ohne deine Stabilität und Länge zu verlieren. Diese Idee wird dann auch im Sitzen mit langen Beinen und einer aufgestützten Hand weitergesponnen. Du lernst, dich auf der Seite zu verankern und lang zu bleiben, über die du auch nach hinten drehst. Eine Funktion, welche du dann im Alltag immer wieder gebrauchen kannst.
(Quelle: AY #358, Variation)
Liegend auf dem Rücken wirst du hier geerdet und lernst, dich über deine Rückseite vom Boden tragen zu lassen. Je mehr deine Mitte sich verankert, desto klarer kannst du dich auch aus diesem Bereich heraus organisieren. Erlebe, wie sich schlussendlich sogar die diagonalen Beziehungen vom Fuss zur Hand aus deiner Mitte heraus klären.
(Quelle: Gaby Yaron)
Auf welchem Bein verankerst du dich, wenn du im Stehen einen Arm nach oben verlängerst? Welcher Arm schwingt beim Gehen nach vorne, wenn das rechte Bein nach vorne kommt? Je nach Kontext ist beides möglich und nichts falsch. Was sind aber deine eigenen Muster und machen diese immer Sinn? Diesen Fragen gehst du in dieser Lektion in Rückenlage nach. Du spielst mit dem Verlängern und Verkürzen von Armen und Beinen, testest laterale und diagonale Beziehungen aus, bis sich zum Schluss alle Varianten leicht und elegant anfühlen.
(Quelle: AY #345)
Das musst du wissen, bevor du anfängst.
Auch wenn diese Bewegungsabläufe manchmal einfach erscheinen, sind sie oft sehr ungewohnt und können dich in unbekanntes Gelände führen. Mache die Bewegungen NIE mit zu viel Kraft oder Anstrengung und gehe NIE über deine Grenzen hinaus.
Versuche nicht, die Bewegungen richtig, gut, schön oder perfekt auszuführen. Vergiss all diese Normen. Gib deinem System stattdessen die Gelegenheit, Neues und Unbekanntes zu entdecken, indem du dich einlässt, ohne zu wissen, wohin die Reise führt.
Wenn wir uns langsam bewegen und dabei unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wie wir uns dabei organisieren, kann das Nervensystem neue Möglichkeiten entdecken. Weniger funktionale Bewegungsmuster, die eventuell Ursache von Schmerzen oder Einschränkungen sind, können so losgelassen werden.
So erreichen wir
Falls Ihr Fragen habt, könnt Ihr gerne mit mir Kontakt aufnehmen.
Und so bereitest Du Dich auf diese Lektion vor.
Falls du medizinische Einschränkungen hast, sei bitte vorsichtig.
Betrachte die Bewegungsanweisungen als Vorschläge, die ein spielerisches Ausprobieren erfordern. Entscheide selbst, ob und inwieweit du die Übungsanleitungen umsetzen möchtest. Bei jeder Bewegung sollte dein Wohlbefinden oberste Prämisse sein. Gehe niemals an die Grenze deiner Bewegungsmöglichkeiten. Respektiere Schmerzen als das, was sie sind: Warnhinweise deines Körpers.
Wenn du beim Bewegen Schmerzen spürst, machst du zu viel. Hör dann auf. Mach eine Pause, bewege dich langsamer und führe die Bewegungen kleiner aus.
Wenn du beispielsweise merkst, dass du die Luft anhältst, dann bewegst du dich mit zu viel Kraft und Anstrengung. Experimentiere dann damit, wie du dich bewegen kannst, damit deine Atmung jederzeit frei fließen kann. Wenn du dich so bewegst, dass deine Atmung frei fließen kann und sich die Bewegung einfach und leicht anfühlt, können sich deine Grenzen erweitern und das, was am Anfang schwierig war, wird plötzlich einfach und leicht.
Fühle dich frei, JEDERZEIT eine PAUSE einzubauen, auch wenn ich gerade keine Pause anleite.
Du kannst die Bewegungen auch immer nur in der Vorstellung ausführen – manchmal ist das sogar noch effektiver. Wenn du eine Seite hast, die sehr eingeschränkt ist, dann kehre die Anweisungen einfach auf die andere Seite um und beginne mit der Seite, die sich leichter bewegen kann